Wahrscheinlich haben nicht nur Menschen, sondern auch Dinge ein vorbestimmtes Schicksal, zumindest denkt man dies, wenn man sich mit der Geschichte dieser Villa befasst. Ihr derzeitiges aristokratisches Aussehen verdankt sie einem zweifachen Umbau, der in einem Abstand von hundert Jahren voneinander erfolgte.

Von ihrem Weinkeller, der im Viertel Fratta di Monticelli Brusati erbaute wurde, sprach man mit Bewunderung bereits Mitte des 19. Jahrhunderts. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verwandelte Cav. Luigi Rossetti, ein reicher Kaufmann dieses Gebiets, ein vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammendes Bauernhaus in seinen eleganten Wohnsitz, das zugleich auch als Geschäftsadresse für seinen Weinhandel fungierte. Hierzu ließ er in den kahlen Felsen des hinter der Villa abfallenden Hügels die wunderschönen Keller hauen. Der Keller konnte mit seinen in griechischer Kreuzform angeordneten vier Tunnelabschnitten sage und schreibe sechstausend Hektoliter Wein aufnehmen, was in den damaligen Zeiten sehr viel war. Dies erklärt auch den Spitznamen der Räume: „el cantinù“, der Riesenkeller. Nach dem Ableben von Cav. Rossetti setzt ein langsamer Verfall ein und alles scheint endgültig der Vergangenheit anzugehören. Doch gegen Ende der 70er Jahre tritt ein anderer Mann „des Weines“ in das „Leben“ der Villa ein: Franco Ziliani - Geschäftsführer der Guido Berlucchi. Er besichtigt sie und findet sie in einem verwahrlosten Zustand vor, erahnt jedoch den enormen Zauber und die Einzigartigkeit, die von den Kellern ausgehen.

Nach einer Reihe bedeutender Konsolidierungsmaßnahmen, dem Wiederaufbau und der Restaurierung empfangen und bezaubern die Villa und der Park mit seinen charakteristischen abfallenden Steilhängen erneut ihre Gäste und tauchen sie in die Wärme der mit schlichter Eleganz eingerichteten Räume ein. So entsteht 1979 das neue Projekt Antica Fratta, das der Villa wieder ihren alten Glanz zurückverleihen möchte. Heute „beginnt“ Antica Fratta wieder bei ihren neuen, großartigen Ambitionen - mit der festen Absicht, die „Essenz“ von Franciacorta zu werden.